News 02/2003
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Physikalische Therapie der Beckenbodeninsuffizienz
In Abhängigkeit von der Grunderkrankung sind unterschiedliche Methoden wirksam.Um Aussagen
über die Wirksamkeit einzelner Therapieformen in der Behandlung der Harninkontinenz treffen
zu können, untersuchten Wissenschafter des Instituts für Physiotherapie der
Friedrich-Schiller-Universität Jena (B. Bocker, U. C. Smolenski) 24 Patientinnen mit
neuromuskulärer Beckenbodenschwäche sowie 24 männliche Patienten nach Prostatektomie.
In einer kontrollierten, prospektiven Längsschnittstudie erhielten je 8 Patienten jeder
Diagnosegruppe nach randomisierter Zuordnung eine Serie Elektrostimulation der
Beckenbodenmuskulatur (ES), Biofeedbacktherapie (BF) und EMG-getriggerte Elektrostimulation
(EMG-ES) in Kombination mit einer standardisierten Krankengymnastik (KG).
Hauptzielparameter war der Harninkontinenzgrad, Nebenzielparameter die Häufigkeit der
Inkontinenzepisoden und Beckenbodenspannung, gemessen über den Oberflächen-EMG-Bereich.
In Bezug auf den Harninkontinenzgrad waren die Ergebnisse am Studienende bei Einsatz der
Feedbackverfahren signifikant besser als nach isolierter Elektrostimulation.
In der Beeinflussung der Inkontinenzepisoden konnte die bessere Wirkung der
Biofeedbackverfahren im Follow-up gesichert werden. Bezüglich des EMG-Bereiches
zeigt die reine Elektrostimulation im Gegensatz zu den Feedback-gekoppelten Verfahren keine
Wirkung auf die Muskelaktivität.
Bei isolierter Betrachtung der Diagnosegruppen
führte reine Biofeedbackbehandlung bei den prostatektomierten Patienten zur Abnahme
der Harninkontinenz über das Therapieende hinaus. Dagegen hatte EMG-getriggerte
Elektrostimulation des Beckenbodens den nachhaltigeren Effekt auf den Harninkontinenzgrad
der Patientinnen mit Postpoliosyndrom.
Die Wissenschafter nehmen an, dass bei operierten Patienten die Wiedereingliederung der
Beckenbodenmuskulatur in ein kontinenzerhaltendes Muskelzusammenspiel mittels Biofeedback
-unterstützter Krankengymnastik effizient ist, wogegen bei neurogener
Muskelschwäche zusätzlich eine EMG-abhängige Elektrostimulation zur
Funktionsverbesserung erforderlich ist.
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